Große Solidarität in Baskets-Town

Überwältigende Mehrheit der Dauerkarten-Inhaber verzichtet auf eine Rückerstattung. Telekom Baskets blicken in eine unsichere Zukunft


Nichts ist normal in Corona-Zeiten. Eigentlich stünde in der nächsten Woche in Bonn das Heimspiel gegen den Deutschen Meister FC Bayern München auf dem Programm. Ein Spiel, das zu den Highlights der Saison gehört und einen ausverkauften Telekom Dome bedeutet hätte. Doch im April 2020 ist alles anders. Bald werden die Baskets gekaufte Einzeltickets für das Bayern-Spiel zurückerstatten.


Der Spielbetrieb in der easyCredit Basketball Bundesliga ist bis auf Weiteres ausgesetzt. Ob die Saison überhaupt zu Ende gespielt wird, steht in den Sternen und wird frühestens am 27. April entschieden. Dann trifft sich die Liga per Videokonferenz zu einem weiteren Corona-Krisengipfel. Eines steht auf jeden Fall fest: Spiele vor Publikum in den Bundesliga-Hallen wird es absehbar in dieser Saison nicht mehr geben. Stattdessen spukt der Begriff „Geisterspiele" durch die Medien. Der BBL-Geschäftsführer hat die BBL-Clubs heute – via Deutsche Presseagentur (dpa) – informiert, wie er sich das vorstellt (Artikel SZ >>).


Wie sich so ein Geisterspiel konkret anfühlt, haben die Baskets schon leidvoll erfahren. Am 10. März 2020 fand das erste Basketball-Geisterspiel in Deutschland im Telekom Dome statt. Im Basketball Champions League-Achtelfinale verlor das Team von Coach Will Voigt vor leeren Rängen ohne Fansupport 86:90 gegen AEK Athen (hier noch einmal in voller Länge bei Youtube).


Mittlerweile hält die Corona-Krise seit Wochen die gesamte Welt in allen Facetten und damit auch die Baskets in Atem. Drei zum Glück wiedergenesene Angestellte waren an Covid-19 erkrankt, acht Kollegen gingen in Zwangs-Quarantäne. Niemand denkt da noch an das letzte Pflichtspiel vor fünf Wochen. Die Baskets-Geschäftsstelle läuft im Notbetrieb, die – eigene – Halle im Energiesparmodus.


Eines ist klar: Das Herunterfahren aller sportlichen Aktivitäten und die Unmöglichkeit, den Telekom Dome auf absehbare Zeit für Fremdveranstaltungen zu vermieten, hat gravierende wirtschaftliche Konsequenzen und leitet eine Durststrecke ein, von der niemand weiß, wie lange sie dauern wird. Kurzarbeit, in Teilen aufgelöste Spielerverträge und die große bonninterne Solidarität helfen jedoch erheblich, einige Monate zu überbrücken. Für die Zeit danach müssen Worstcase-Szenarien erstellt werden. Was passiert, wenn die nächste Bundesliga-Saison erst 2021 startet? Und es bis dahin keine Einnahmen gibt? Fragen, die aktuell jeden BBL-Standort bewegen.


Doch es gibt auch extrem positive Dinge in dieser Krise. „Die Solidarität von Fans, Sponsoren, Angestellten, Dauerkartenbesitzern und Spielern hat uns imponiert, berührt und auch motiviert", erklärt Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich. „Ein Kalenderspruch beschreibt die Mentalität am Rhein ganz gut: In guten wie in schlechten Zeiten . . ." Bestes Beispiel sind die Dauerkartenbesitzer: Nur 17 Prozent haben für eine Rückerstattung für die letzten sechs nicht gespielten Spiele votiert. Das sei auch „eine Verpflichtung", sagt Wiedlich.


Wie es mit den bereits gekauften Einzeltickets für die Spiele gegen Ulm, Bayreuth, Göttingen, Oldenburg, München und Vechta weitergeht, wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben. Fest steht: Jeder Ticketkäufer erhält auf Wunsch sein Geld zurück – und keinen Gutschein.


Medieninformation: Telekom Baskets Bonn