NINERS im Rausch

Die meisten Zuschauer trauten ihren Augen kaum, angesichts dessen, was sie am Dienstagabend in der mit 3.000 Besuchern ausverkauften Messe Chemnitz zu sehen bekamen. Auf der einen Seite der halbe Newcomer im erst zweiten Bundesligajahr seiner Vereinsgeschichte, ohne Topscorer und Toprebounder Darion Atkins, ohne Cheftrainer Rodrigo Pastore, der mit leichten Erkältungsbeschwerden vorsorglich aussetzte. Auf der anderen Seite der fünffache deutsche Meister, der BBL-Tabellenführer, Euroleague-Teilnehmer und Pokalsieger der letzten Saison. Zwar aus familiären Gründen ebenso ohne Headcoach Andrea Trinchieri, ohne Augustine Rubit, Ognjen Jaramaz und Gavin Schilling, aber immer noch mit Vladimir Lucic, Deshaun Thomas, Nick Weiler-Babb, Corey Walden, Othello Hunter, Andreas Obst, Leon Radosevic und Zan Mark Sisko. Der Favorit schien schnell ausgemacht, doch die NINERS wollten sich der scheinbar klaren Rollenverteilung wieder einmal nicht fügen. Vielmehr brannten Sachsens beste Korbjäger ein wahres Basketballfeuerwerk ab, spielten München phasenweise an die Wand, bezwangen die Bayern mit 77:58 bereits das dritte Mal in Folge, das vierte Mal in fünf Duellen seit dem Aufstieg 2020 und fahren nun mit ganz breiter Brust zum Pokalhalbfinale nach Berlin.


Von Beginn an stellten die NINERS unter Beweis, dass sie gegen Bayern nicht nur mithalten, sondern ganz klar auf Sieg spielen wollten. Allen voran Mindaugas „Minde“ Susinskas, der die ersten acht Chemnitzer Punkte erzielte und mit seinen Dreiern einen Fingerzeig für den weiteren Spielverlauf gab. Kurz darauf brachte „Air Canada“ Isiaha Mike die Messe mit einem „Windmill Dunk“ zum Kochen und Nelson Weidemann legte vom Perimeter zum 18:10 nach. Während Eric Washington den 22:13-Pausenstand besorgte, stellte der abermals bärenstarke Jonas Richter zu Beginn des zweiten Viertels per Dreier auf 28:18. Für die Bayern hielt vor allem Kraftpaket Deshaun Thomas dagegen, doch gegen eine enorm ausgeglichene Chemnitzer Mannschaft war dies schlicht zu wenig. Denn bei den NINERS übernahmen immer wieder andere Spieler Verantwortung, mal Weidemann mit Zug zum Korb, mal Washington aus der Mitteldistanz oder eben Lockett von der Dreierlinie, woraus eine auch in der Höhe völlig verdiente 46:28-Halbzeitführung resultierte.


Chemnitz machte nach dem Seitenwechsel nahtlos weiter, als zunächst Mike vom Perimeter traf, Richter aus gleicher Distanz zum 52:32 netzte und dabei die Schallmauer von 1.500 Punkten im NINERS-Trikot durchbrach. Das Publikum war aus dem Häuschen und die NINERS legten über Susinskas sowie Lockett zum 58:34 nach. Virgil Matthews, der Pastore an der Seitenlinie bravourös vertrat, nutzte den Vorsprung, um seinen Spielern immer wieder notwendige Verschnaufpausen zu gönnen und kluges Foulmanagement zu betreiben. Trotz dieser Wechsel blieb es bis zum Ende des dritten Viertels beim Stand von 63:41 eine glasklare Angelegenheit und Chemnitz ließ auch im Schlussabschnitt keinerlei Zweifel daran aufkommen, wer das Parkett als Sieger verlassen würde. Mit zwei Dreiern und schnellen Fastbreak-Punkten besorgte Frantz Massenat die höchste Führung des Abends (73:45), ehe die NINERS dann langsam den Fuß vom Gaspedal nahmen und München in der Schlussphase noch etwas Ergebniskosmetik gestatteten. Das letzte Highlight gehörte aber wieder den Hausherren, als der 17-jährige Youngster Brendan Gregori für seinen achten Bundesligaeinsatz aufs Feld durfte und unter tosendem Jubel der Fans sowie all seiner Teamkameraden noch einen Mitteldistanzwurf versenkte. „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin“, schallte es durch die Messe und kündigte die Premiere der NINERS beim Pokal Top Four an, wo sie am Samstag auf Gastgeber ALBA Berlin treffen. Als Außenseiter. Sagt man…


TRAINERSTIMMEN


Virgil Matthews (Chemnitz): „Zunächst großen Respekt auch an München. Sie haben wirklich einen harten Spielplan, kommen direkt aus dieser Corona-Situation, standen am Sonntag noch gegen Frankfurt auf dem Feld und mussten dann hier nach Chemnitz reißen. Wir waren heute extrem hungrig. Am Samstag spielten wir gegen Ludwigsburg, ein Gegner, der dich dazu zwingt, richtig kämpfen zu müssen und wir konnten diesen Spirit mit in das heutige Match nehmen. Wir wollten gegen München mit der gleichen Energie spielen, insbesondere weil wir wussten, dass sie heute vielleicht etwas müde sein würden. Deshalb wollten wir den Druck hochhalten und das hat die Mannschaft großartig umgesetzt. Natürlich kam uns auch entgegen, dass München heute nicht gut getroffen hat. Da gingen einige offene Würfe daneben, welche sie normalerweise treffen. Wir konnten dies nutzen und einen wichtigen Sieg holen.“


Demond Greene (München): „Insgesamt habe ich die Partie so wie immer erlebt, wenn wir hier spielen. Dass die Chemnitzer Mannschaft mit enorm viel Energie spielt, vor allem wenn die Zuschauer in der Halle sind. Chemnitz hat die ganze Saison schon gezeigt, dass sie oben mitspielen können und hat heute bewiesen, dass sie definitiv bereit für das Top Four sind. Wirklich die gesamte Saison über sehr konstant als Mannschaft, offensiv sehr gefährlich und auch defensiv immer mit einer hohen Aggressivität. Das brauchst du, um auf dem Level konstant oben mitzuspielen und die Chemnitzer zeigen es dieses Jahr hervorragend. Das muss man respektvoll zugeben.“


STATISTIK: NINERS Chemnitz vs. FC Bayern München 77:58 (22:13, 24:15, 17:13, 14:17)


Susinskas (14 Punkte), Mike (12), Richter (12), Massenat (10), Weidemann (10), Lockett (9), Washington (8), Gregori (2), Wimberg (0) Ziegenhagen (0)


TERMIN: ALBA Berlin vs. NINERS Chemnitz, Samstag, 19.02.2022, 19:30 Uhr, Mercedes Benz Arena




Medieninformationen: NINERS Chemnitz, Presseabteilung, vom 16.02.2022.