Dauerbrenner wird zum neuen Rekordfinale: Bayern und Berlin duellieren sich zum siebten Mal um die Deutsche Meisterschaft
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June 11, 2026 at 11:50 AM -
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Die besondere Brisanz: Als ALBA BERLIN in den neunziger Jahren unter Svetislav Pesic und Emir Mutapcic sieben Meistertitel in Folge errang, wurden die Albatrosse gerne als „das Bayern München des Basketballs“ beschrieben. Mittlerweile schicken sich die echten Bayern an auch in der easyCredit BBL eine ähnlich dominante Rolle zu spielen, wie ihre Fußball-Kollegen. Die Münchener sind mit ihren an der EuroLeague orientierten finanziellen Möglichkeiten der einzige deutsche Club, der die besten deutschen Nationalspieler wie Liga-MVP Andreas Obst davon abhalten kann, ins Ausland zu ziehen. Und ein entsprechend hochkarätiger Kader soll nun im ersten Threepeat der Vereinsgeschichte gipfeln. Verhindern können das nur noch die Berliner. ALBA-Trainer Pedro Calles hat in seinem Aufgebot keine sechs erfahrenen Welt- und/oder Europameister wie die Bayern, aber fünf zumeist jüngere Nationalspieler, die darauf brennen, das – welch schöner Zufall – von den ehemaligen Berliner Meistertrainern Pesic und Mutapcic trainierte Münchener Star-Ensemble ein wenig zu ärgern – oder ihm gar die Show zu stehlen?
Playoff-Historie: Der FC Bayern Basketball (seit 2012) und ALBA BERLIN (seit 1992) sind die einzigen Bundesligisten, die immer in den Playoffs sind (Berlin ist mit dem Vorgängerverein Charlottenburg sogar immer dabei gewesen seit 1986 die Playoffs mit drei Runden eingeführt wurden, München ist zumindest seit dem Wiederaufstieg 2011 immer dabei). Die Bayern treffen dabei in der 36. Playoff-Serie der Klubhistorie schon zum zehnten Mal auf Berlin (zum siebten Mal im Finale!) und haben gleich die ersten sechs Playoff-Serien gegen Berlin allesamt gewonnen. Nach dem Sweep im Viertelfinale 2013 landeten sie dabei im Finale 2014, im Halbfinale 2015 und im Viertelfinale 2017 die entscheidenden Siege jeweils in Berlin, bevor sie das Finale 2018 im fünften und das Finale 2019 im dritten Spiel wieder „dahoam“ für sich entschieden. Sein Ende fand dieser Münchener Lauf in der von Corona überschatteten Saison 2019/20. Ludwigsburg schaltete die Bayern im Viertelfinale des Münchener Bubble-Turniers aus, um dann im Finale an ALBA zu scheitern. In den folgenden Jahren bezwangen die Berliner die Bayern ohne Schützenhilfe im Finale, landeten dabei 2021 unter Coach Aito bzw. 2022 unter Israel Gonzalez die entscheidenden Siege ebenfalls in München und feierten somit alle drei Titel ihres Threepeats an der Isar. 2024 war es wieder an den Bayern, unter Trainer Gordon Herbert den vierten Finalsieg und den Titel an der Spree zu feiern.
Viertelfinale 2013: München – Berlin 3-0
Finale 2014: München – Berlin 3-1
Halbfinale 2015: Berlin – München 2-3
Viertelfinale 2017: München – Berlin 3-1
Finale 2018: München – Berlin 3-2
Finale 2019: München – Berlin 3-0
Finale 2021: Berlin – München 3-1
Finale 2022: Berlin – München 3-1
Finale 2024: München – Berlin 3-1
Duelle im Fokus: Beide Teams sind so tief besetzt, da fällt es schwer, aktuell einen teaminternen Playoff-MVP zu bestimmen. Die Berliner wurden bisher unter anderem von ihrem Spielmacherduo getragen: Jack Kayil ist nominell zwar der Backup von Martin Hermannsson, beide stehen in der Crunchtime aber schon mal zusammen auf dem Feld. Mit 13,3 bzw. 13,4 Punkten im Schnitt bilden die beiden das Berliner Topscorer-Duo der Playoffs. Defensiv schreit das nach einer Aufgabe für Justus Hollatz, der in den Playoffs offensiv zwar harmlos agieren mag (2,8 PPG), dafür aber sicher im Ballvortrag agiert (24 AST, 7 TO in den Playoffs). Hollatz' Backup ist Nenad Dimitrijevic, der mit 61,1 Prozent aus dem Feld und 61,9 Prozent von Downtown in der Endrunde heißgelaufen ist und aktuell sogar der effektivste Spieler der Playoffs ist.
Dimitrijevic kam während der Saison nach München, auch die Berliner tätigten eine Nachverpflichtung, die eingeschlagen hat: Michael Rataj kam erst mit Ende der Wechselfrist in die Hauptstadt, zeigte kaum Anlaufschwierigkeiten und avancierte mit 13,2 Zählern pro Partie zum Berliner Topscorer im Halbfinale gegen Bamberg. Am Zonenrand kann Rataj ein Mismatch sein, doch auch die Münchener haben einen deutschen Big Man in den Reihen, der im Low-Post versiert ist: Oscar da Silva. Mit 14,3 Punkten pro Partie ist da Silva unter den Finalisten der besten Punktesammler in den Playoffs. Mit seiner Durchschlagskraft hat Rataj das Zeug zum Publikumsliebling, auch da Silva schlug bei seinem Wechsel nach Berlin 2011 direkt ein.
Feuerkraft auf der Zwei: Xavier Rathan-Mayes kompensierte den Ausfall von Andi Obst in den letzten beiden Spielen gegen Bonn mit 20 bzw. 27 Zählern (6/9 3P) und zeigte, welche Mikrowelle er sein kann. Wenn Liga-MVP Obst wieder an Board ist und sein weltweit gefürchtetes Handgelenk eingestellt hat, zu dem sich in Justinian Jessup ein weiterer Edelschütze gesellt, dann haben die Bayern auf der Zwei einiges an Feuerkraft aufzubieten. Aber ganz egal, welcher Guard gerade heiß läuft: Er wird wohl vor allem vom Berliner Kettenhund Jonas Mattisseck bearbeitet werden. Auch Kayil, Malte Delow und Sam Griesel werden zeigen müssen, was sie in der Verteidigung drauf haben.
Trainerduell im Fokus: An der Seitenlinie stehen zwei Coaches mit ganz unterschiedlichem Background: Auf der Münchener Seite die 76-jährige, serbische Trainerlegende Svetislav Pesic, der die Balkan-Schule in Deutschland salonfähig gemacht hat, auf der Berliner Seite der 42-jährige Spanier Pedro Calles, der unter anderem von Aito inspiriert wurde. Während Calles seine ersten Finals als Profi-Headcoach absolvieren wird, steht für Pesic der letzte Tanz an. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat Pesic sein Karriereende nach dieser Saison angekündigt, dann wird nach knapp 45 Jahren eine wirklich große Karriere zu Ende gehen, wie sie hier im August 2024 anlässlich seines 75. Geburtstags beschrieben wurde. Sollten die Bayern ihren Titel unter ihm verteidigen, wäre Pesic damit auch etwas Einzigartiges gelungen: Deutscher Meister in vier verschiedenen Jahrzehnten – 1997, 1998, 1999 und 2000 mit Berlin sowie 2014 und dann eben 2026 mit München. Zudem hätte er dann seit den Achtzigern (1987 war er Junioren-Weltmeister mit Jugoslawien) in fünf Jahrzehnten in Folge einen Titel als Vereins- oder Nationaltrainer gewonnen. Pesic hat sich nach der Amtsübernahme in dieser Saison die Unterstützung von Emir Mutapcic geholt, bei den Berlinern sitzt unter anderem Vladimir Bogojevic als Assistant Coach auf der Bank – der von 1997 bis 2000 unter Pesic in Berlin spielte und mit ihm dreimal Meister wurde.
Im Blick des Bundestrainers: Für Alex Mumbru ist es bei insgesamt zwölf aktuellen und ehemaligen DBB-Nationalspielern quasi so etwas wie das Duell zwischen Akteuren des A-Teams und des B-Teams. Bei München im Kader gibt neben DBB-Veteran Elias Harris (36 Länderspiele) sechs Goldmedaillengewinner: Niels Giffey (WM-Gold 2023, 118 Länderspiele), Oscar da Silva (31) und Leon Kratzer (33, beide EM-Gold 2025) sowie Johannes Voigtmann (128), Andi Obst (94) und Justus Hollatz (60, EM- und WM-Gold). Bei Berlin dagegen spielen fünf Nationalspieler, die noch nie bei einem großen Turnier dabei waren, aber öfter während der Saison in den FIBA-Fenstern geackert haben, einige zuletzt im November und im Februar in der WM-Quali: Malte Delow (8 Länderspiele), Jonas Mattisseck (9), Norris Agbakoko (3), Bennet Hundt (11) sowie Nachwuchshoffnung Jack Kayil (6). In Trainingsspielen gewinnt bei so etwas ja auch gerne mal das B-Team, aber diesmal ist es halt kein Trainingsspiel, sondern es sind die BBL-Finals um die Deutsche Meisterschaft.
Rekordverdächtig: Die Bayern können also die Erfahrung von insgesamt 500 Länderspielen in den Ring werfen, die Berliner dagegen können bei den deutschen BBL-Minuten klotzen: Malte Delow (22:24 MPG), Jack Kayil (21:24), Sam Griesel (19:32), Jonas Mattisseck (19:10), Norris Agbakoko (18:39), Michael Rataj (16:37) und Bennet Hundt (9:11) fallen bei Berlin mit 56,4 Prozent ligaweit die meisten Minuten an deutsche Spieler. Womit sich auch die Frage stellt, welcher Club eigentlich die tiefere deutsche Rotation zur Verfügung hat? Und sehen wir nach einem deutschen MVP der Hauptrunde auch einen deutschen Finals-MVP?
Details dazu und weitere Themen demnächst hier im Vorbericht
Medieninformation: easyCredit BBL