Nach Pokalfinale jetzt Playoff-Halbfinale: Liga-Klassiker Berlin gegen Bamberg erstrahlt zu neuem Glanz

Die besondere Brisanz: In der Erstliga-Historie gab es kein Spiel häufiger als Bamberg gegen Berlin (siehe ewige Bilanz). Bereits neunmal kreuzten sich die Wege in den Playoffs (Bilanz 6-3 für Berlin). 2003 sweepte sich ALBA im Finale mit 3-0 gegen Bamberg zum siebten Titel in Folge, um ein Jahr später von eben diesen Oberfranken in einem dramatischen Halbfinale mit 3-2 entthront zu werden. In den vergangenen 20 Jahren folgten allerdings nur noch zwei Playoff-Duelle. 2011 setzten sich die damaligen Brose Baskets auf dem Höhepunkt ihrer Dominanz im Finale 3-2 gegen Berlin durch, und 2022 räumte ALBA die Oberfranken auf dem Weg zum Threepeat im Viertelfinale mit 3-0 aus dem Weg. In dieser Saison haben indes zwei dramatische Berliner Siege in der Punktrunde und der Bamberger Triumph im Pokalfinale der alten Rivalität neues Leben eingehaucht – und voila: Im Playoff-Halbfinale trifft Berlin als Zweiter der Punktrunde wie in alten Tagen auf den Dritten Bamberg!

VF 1987: 2-1 für 1. FC 01 Bamberg
VF 1988: 2-1 für DTV Charlottenburg
HF 1991: 3-1 für BG Charlottenburg
HF 1995: 3-0 für Berlin
VF 1999: 3-0 für Berlin
Finale 2003: 3-0 für Berlin
HF 2004: 3-2 für Bamberg
Finale 2011: 3-2 für Bamberg
VF 2022: 3-0 für Berlin

Was wir bisher gelernt haben: ALBA kämpfte die Oberfranken Ende Januar in der Berliner Max-Schmeling-Halle (wo auch die beiden ersten Halbfinalspiele ausgetragen werden) in einer Verlängerung mit 87:82 (Highlights) nieder und gewann drei Wochen später auch das Rückspiel in Bamberg 98:92 (Highlights). Damit ist ALBA nicht nur das einzige Team, das Bamberg in dieser Saison zweimal bezwungen hat. Dank der beiden Punktrundensiege hat ALBA im Duell der beiden auf dem zweiten und dritten Platz punktgleichen Teams jetzt im Playoff-Halbfinale auch den Heimvorteil. Das vorletzte Wort im diesjährigen Duell gegen Berlin hatten indes die Bamberger am 22. Februar im Münchner Pokalfinale mit ihrem dramatischen 74:72-Sieg (Highlights).

Status quo: Bamberg ist nicht zuletzt durch seinen Triumph beim BMW TOP FOUR um den BBL Pokal das Überraschungsteam dieser Saison. Trainer Anton Gavel hat aus dem Team mit dem kleinsten geplanten Spieleretat einen Titelkandidaten geformt und wurde dafür in der easyCredit BBL mit großer Mehrheit (78,2 Prozent) zum „Trainer des Jahres“ gekürt. Der Pokalgewinn hat die Bamberger erst recht beflügelt. Seitdem haben die Bamberger von 16 Spielen in der easyCredit BBL (inkl. dem 3-0 gegen Ulm gewonnenen Viertelfinale) nur eines verloren. Die einzige Niederlage mussten die Oberfranken Anfang April in Vechta gegen den Gegner hinnehmen, der jetzt im Viertelfinale von ALBA BERLIN nur mit größter Anstrengung 3-2 bezwungen werden konnte. Hat der Tabellenzweite nach diesem Kraftakt noch genug Luft für eine sicher nicht weniger herausfordernde Halbfinalserie gegen Bamberg? Oder können die Berliner sogar das Momentum aus ihren letzten beiden Siegen gegen RASTA mit ins Halbfinale gegen unter der spielfreien Woche vielleicht sogar etwas eingerostete Bamberger mitnehmen?

Duelle im Fokus: Während Anton Gavel in dieser Saison in Bamberg mit einer – bis auf eine Ausnahme gegen Hamburg – durchgängig identischen Starting Five operierte, verändert Pedro Calles in Berlin seine Startaufstellung des Öfteren – manchmal auch notgedrungen. So mussten die Berliner im Pokalfinale ohne den damals am Daumen verletzten Martin Hermannsson auskommen. Gerade dieser Point Guard ist pünktlich zu den Playoffs jetzt in Topform und war gegen Vechta als verlässlicher Topscorer (17,4 PPG) und souveräner Regisseur (7,2 APG) MVP des Viertelfinales. Macht der Isländer mit dem besten Nachwuchsspieler der Liga, Jack Kayil, an seiner Seite im Spielmacher-Duell gegen Cobe Williams und Zach Ensminger auch im Halbfinale gegen Bamberg den Unterschied aus?

Auch auf der Position vier hat Justin Bean für sein Duell gegen Demarcus Demonia (mit seinem Gamewinner MVP des Pokalwochenendes) im nachverpflichteten Michael Rataj im Vergleich zum BMW TOP FOUR eine Verstärkung an seiner Seite. Auf dem Flügel präsentierte sich Bambergs Topscorer Ibi Watson nach kurzer Verletzung zuletzt wieder in der gewohnten Wurflaune (28 Punkte im dritten Spiel in Ulm), während Berlins Moses Wood gegen Vechta seinen Shooting Touch verlor (20 Zähler im ersten und nur noch zwei im fünften Spiel). Unter dem Korb wartet EJ Onu (2,11 m) als bester Verteidiger und Shotblocker der Liga auf die sehr unterschiedlichen ALBA-Center Norris Agbakoko (2,18 m) und J'Wan Roberts (2,03 m).

Trainerduell im Fokus: Pedro Calles wurde 2019 gleich in seiner ersten BBL-Saison 2018/19 Trainer des Jahres, nachdem er RASTA Vechta als Aufsteiger direkt in die Playoffs geführt hatte (und im Viertelfinale damals sensationell Bamberg aus dem Rennen warf). Auch Anton Gavel legte 2022/23 ein sensationelles Trainer-Debüt in der Liga hin und führte Ulm sogar vom siebten Platz der Punktrunde noch zum Meistertitel. Zum Trainer des Jahres wurde damals indes – noch vor den überraschend verlaufenden Playoffs – Tuomas Iisalo gekürt. In dieser Saison kamen die starken Bamberger Leistungen rechtzeitig genug, um Gavels Leistung zu würdigen (was nach dem Pokalsieg auch sein früherer Trainer Stefan Koch in seiner Kolumne tat). Gavel steht in dieser Saison zwar erst zum dritten Mal in den Playoffs, hat mit 13-5 aber schon mehr Siege auf dem Konto als Calles, der in seiner bereits sechsten Playoff-Saison zwar mehr Erfahrung aufweist, aber erst bei 6:18-Siegen steht.

Die ewige Bilanz: Von den 132 bisherigen Spielen in Liga und Pokal gewann Berlin 83 und Bamberg 49. Davon waren 87 Begegnungen Punktspiele (55-32 für Berlin), 32 Playoff-Spiele (22-10 für Berlin) und zwölf Pokalspiele (7-5 für Bamberg). 2013 gewann ALBA zudem den damals noch als Saison-Eröffnung ausgespielten Champions Cup (Meister vs. Pokalsieger) gegen Bamberg. Kein Duell wurde in der 60-jährigen Ligageschichte öfter ausgetragen als Berlin gegen Bamberg (wer noch tiefer in die Historie des Duells eintauchen möchte, wird in dieser Ausgabe von „Kochs Nachschlag“ umfangreich fündig). Hier die Top Fünf der meistgespielten Paarungen in Liga und Pokal:

Anzahl / Paarung:
132: Berlin - Bamberg
126: Bamberg - Gießen
118: Leverkusen - Hagen
116: Berlin - Leverkusen
109: Bamberg - Ludwigsburg

Details dazu und weitere Themen demnächst hier im Vorbericht

Medieninformation: easyCredit BBL