Die Veolia Towers verlieren das Nord-Derby gegen RASTA Vechta nach zwischenzeitlichem 33-Punkte-Rückstand mit 83:92. Eine starke zweite Halbzeit genügt nicht, um eine Aufholjagd zu krönen. Devon Daniels wird mit 24 Punkten Topscorer, Kenneth Ogbe erzielt einen BBL-Meilenstein.
Benka Barloschky: „Wir arbeiten jeden Tag sehr hart daran, dass aus Träumen auch Ziele werden. Es gibt da ja schon noch einen Unterschied: Ich würde sagen, Ziele sind konkreter. Die Mannschaft hatte sich das Ziel ‚Play-Ins‘ gesteckt, wollte dafür alles reinstecken, was geht, um das Maximum rauszuholen. Das sind hohe, ambitionierte Ziele. Das, was sie getan haben, entsprach in den letzten Wochen auch ihren Worten. Heute war die Messe aber nach dem ersten Viertel gelesen. Wir waren einfach am Anfang nicht gut genug, vielleicht auch deshalb, weil der Ergebnisdruck in den Köpfen war. Wir sind in uralte Muster verfallen. Ganz am Anfang waren wir gar nicht so schlecht, haben aber ein paar Korbleger nicht reingemacht und dann mit ein paar ganz, ganz tollen, besonderen Plays versucht, den Rückstand irgendwie aufzuholen. Dass das schiefgeht, dieses Learning hatten wir eigentlich schon. Aber wir haben diesen Fehler heute noch einmal wiederholt.“
Devon Daniels: „Vom zweiten Viertel an haben wir wirklich gekämpft. In den ersten zehn Minuten haben wir absolut nicht unser Spiel gespielt. Es entstand dagegen der Eindruck, dass Vechta uns richtig vermöbelt. Und deswegen war jedem von uns klar, dass wir zurückschlagen müssen. Ich denke schon, dass wir ihnen durchaus noch einen guten Kampf geliefert haben – das Loch, das wir uns zuvor aber selbst gegraben haben, war zu groß.“
Zsombor Maronka: „Wir wussten, um wie viel es in diesem Spiel ging. Der Start hat das aber in keiner Weise widergespiegelt. Unsere Reaktion kam viel zu spät, Vechta hatte uns zu diesem Zeitpunkt sprichwörtlich schon auseinandergenommen. Als wir mit 33 Punkten hinten lagen, war jedem von uns klar, dass es so nicht weitergehen kann. Niemand möchte so hoch zu Hause verlieren. Jeder hat noch einmal alles rausgehauen, um ein Comeback möglich zu machen. Wir haben gesehen, dass das durchaus auch im Bereich des Möglichen war. Es ist ja auch nicht so, dass uns das nicht schon ein paar Mal in der Saison gelungen ist. Deswegen haben auch alle daran geglaubt.“
Zum ersten Mal seit Anfang Februar schickte Head Coach Benka Barloschky eine gleich auf zwei Positionen veränderte Starting Five auf das Parkett. Der taktische Kniff schien jedoch nicht die gewünschte Wirkung zu zeigen. Nach ausgeglichenen ersten 90 Sekunden gerieten die Veolia Towers in der Folge in Rückstand – und zwar deutlich. Auch eine Auszeit vom Hamburger Head Coach half nur wenig, denn das Hauptproblem blieb. Zehn Ballverluste, die meisten davon ohne jegliche Bedrängnis, kennzeichneten das Hamburger Spiel im ersten Abschnitt. RASTA Vechta dagegen hatte sich offensiv in einen Rausch gespielt. Das Ungleichgewicht zeigte sich auch im 10:33-Zwischenstand.
Dass die Hanseaten das zweite Viertel mit fünf schnellen Punkten eröffneten, war für die 3.400 Fans in der zum dritten Mal in dieser Saison ausverkauften Inselpark Arena ein ebenso positives Zeichen wie die deutlich zunehmende Intensität. Trotz zwei Dreiern von Osaro Rich und Fastbreak-Dunk von Devon Daniels blieb der Rückstand aber nahezu unverändert. Der Trend aber passte. Denn für fast vier Minuten ließen die Veolia Towers nur drei weitere Vechtaer Punkte zu. Die eigene Ausbeute blieb, wenn auch deutlich besser als im ersten Viertel, allerdings noch immer zu gering, um eine Aufholjagd zu starten. Beispiel: Nur einer von sechs Freiwürfen (16,7 %) rauschte bis zur Pause durch die Reuse. Ein 8:0-Lauf Vechtas genügte, um alle Hamburger Bemühungen zur Halbzeit (28:53) wieder zu zerschlagen.
Mit acht weiteren unbeantworteten Punkten zog RASTA ihr Momentum auch über den Seitenwechsel hinaus. Die Differenz von 33 Punkten markierte den höchsten Rückstand. Drei Dunks von Zacharie Perrin und Niklas Wimberg sowie ein anschließender Dreier von Devon Daniels machten aber deutlich, dass sich die Veolia Towers noch längst nicht aufgegeben hatten. Mit einem Block gegen den 15 Zentimeter größeren Thiemann setzte Devon Daniels dann auch defensiv ein Zeichen. An dem sich seine Teamkollegen ein Beispiel nahmen: Block Turudic, Ballgewinn Maronka. Und doppelter Ballgewinn Daniels. Weil es den Hamburgern auch gelang, sich auf der anderen Seite des Feldes dafür zu belohnen, konnte der Rückstand zum Viertelende auf 52:69 reduziert werden.
Mit einem Treffer aus der Distanz zu Beginn des Schlussabschnitts von Zsombor Maronka war die Aufholjagd nun auch offiziell eingeläutet. Ross Williams und Martin Breunig reduzierten das Minus mit fünf Punkten weiter. Es gelang den Veolia Towers jedoch erst einmal nicht wieder einstellig aufzuschließen – mit einem Buzzer-Dreier verschaffte sich Vechta Luft. Dreieinhalb Minuten vergingen, ohne dass sich an der Differenz großartig etwas änderte. Stattdessen wurde es hitzig auf dem Parkett. Trotz offensichtlicher Unsportlichkeit – die zumindest im Nachhinein per Videobeweis aufgelöst werden konnte – bekam Vechta Freiwürfe zugesprochen. Mit einem wahren Dreierregen, darunter zwei von Kenneth Ogbe mit denen der Forward einen weiteren BBL-Meilenstein (1500 Punkte) erreichte, verkürzten die Hamburger noch einmal. Ausgerechnet Topscorer Devon Daniels, der zuvor mit seinem elften erfolgreichen Abschluss bis zur letzten Minute auf acht Punkte gestellt hatte, unterlief ein finaler Ballverlust, der 23. der Hamburger in diesem Nord-Derby, den Vechta kaltschnäuzig in den 83:92-Endstand verwandelte.
Stats: Thrope (9), Rich (6), Maronka (17, 6 Reb.), Grey, Breunig (4, 5 Reb.), Wimberg (4), Daniels (24, 4 Reb.), Ogbe, (6, 3 Reb.), Williams (5), Turudic, Perrin (8, 11 Reb.)
Medieninformation: Veolia Towers Hamburg