Talkrunde zum Thema "Euroleague / EuroCup / europäische Entwicklung" - Frage 5: Ziel - "stärkste Liga Europas 2020"

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  • Frage 5: Am Ende sollte man nochmal kurz auf das Ziel der BBL zu sprechen kommen, stärkste Liga Europas im 2020 zu sein. Es sind, kurz vor Jahreswechsel, nur noch knapp über 3 Jahre Zeit dieses Ziel zu erreichen. Schafft es die BBL oder wird sie daran scheitern bzw. einfach länger brauchen?

  • Gleich vorweg. Ich bin nur Fan und kein Profi der in allem richtig liegt, und alles stimmen muss. Aber ich bemüh mich mal gerne…
    Zu dem Zitat „beste Liga 2020“ …dies stammt vom Herrn Pommer.
    Der gute Herr hat die BBL mittlerweile schon verlassen.

    Dann kommt erst mal die Frage…was heißt beste Liga.
    Heißt es das spielerisch und attraktiv, oder rein finanziell !?
    Zum finanziellen Teil hab ich keine Zahlen… aber aus dem was man so hört liegt da Spanien noch immer vorne. Frankreich könnte auch noch nen Tick mehr haben.
    Italien könnte auf Augenhöhe der BBL sein. Die Türkei ist zweigeteilt, manche habns Geld, manche nicht.
    Dies aber nur gefühlt, und von dem was man so in den weiten des Internets ließt… ob es stimmt… weiß ich nicht sicher (und Quellen dazu sind ja selbst in der BBL nicht einfach zu finden).



    Zum Spielerischen wie die Teams mithalten in Europa.
    Einerseits ist in der EL Bamberg aktuell nicht unbedingt vorn dabei.
    Aber man muss da auch sehen ob man nun die Teams beurteilt, oder die GESAMTE jeweilige Liga.
    Wenn man das Gesamte betrachtet ist Deutschland ganz gut dabei zur besten Liga zu werden.
    Die Liga ist relativ ausgeglichen und daher recht stark.
    Betrachten wir mal die möglichen Konkurrenz Ligen :



    Spanien :
    Clubs wie Real Madrid, Barcelona, Valencia sind schon lange oben dabei und auch in der eigenen Liga stark. Ich behaupte es gibt da noch einen klaren Vorteil für manche Teams wegen den A-Lizenzen zur EL. Wer sowas besitzt kann ganz anderst arbeiten und wirtschaften.
    Zum Thema Wirtschaften… man hört ja öfters dass dort manche Clubs verschuldet seien, oder sich manche übern Fußball quer finanzieren oder ähnliches (ich sag bewusst man hört dazu… Quellen hab ich da auch nicht).
    Sollte das so sein, frag ich mich schon ob da nicht das „Financial Fairplay“ mal eingreifen sollte. Oder war das nur so ne Papier-Erfindung an die sich eh keiner hält ?

    Frankreich :
    Der Beschluss dass man nicht an EL und EC teilnimmt gab vermutlich manchen Teams einen Dämpfer, und man hat evt. manche Spieler auch nicht bekommen.
    Von den Teams hat man viele Namen aus der Liga in Europa schon gehört.
    Finanziell ist die Liga glaub ich recht ausgewogen.
    Aktuell ist Monaco ungeschlagen erster und Nanterre letzter.
    Würde man das mit dem letzten Jahr vergleichen würden viele nur den Kopf schütteln.



    Italien :
    Es gibt einen der marschiert voraus… Milano.
    Dahinter gibt es ein paar Mannschaften die kämpfen. Aber die stärke lässt danach deutlich nach. Manche Clubs die in Europa vertreten waren sind aus diversen Gründen wieder weiter hinten angesiedelt. So kämpften Varese oder Cantu schon im EC… jetzt eher in dem hinteren Drittel der Tabelle.



    Griechenland :
    3 Clubs die vorn mitspielen… der Rest ist eher Mittelmaß.



    Türkei :
    Es gibt 6 Clubs die ich als stark einschätze und die auch finanziell gut da stehen.
    Dahinter flacht das ganze recht stark ab.
    Auch hier profitieren mit Sicherheit manche Clubs von einer Lizenz für die EL.
    Deutschland startet nur mit dem Meister, die Türkei hat „bisschen“ mehr als einen Platz in der EL.
    Interessant dürfte sein wie sich das ganze in der Türkei auch politisch entwickelt.
    Ob dann noch jeder Spieler dort hin will, fraglich.
    Aber auch da haben wir schon Spieler erlebt die in Krisengebiete sind wenns Geld stimmt.



    Fazit :

    Durch die Ausgeglichenheit der Liga ist Deutschland schon jetzt eine starke Liga im Vergleich zu den anderen Kandidaten.
    Allerdings dies auch finanziell zu erreichen wird mehr als schwierig.
    Dies liegt viel an den Deutschen Steuergesetzen und den Strukturen.
    Aber den Punkt werden wir nicht ändern können.

    Wenn man die letzten 5 Jahre mal zurückblickt, haben sich immerhin die Deutschen Spieler gut entwickelt. Und hoffen wir dass der Trend weiter nach oben geht.

    Noch ist Zeit bis 2020. Finanziell es zu schaffen… schwierig.
    Aber stärkste Liga im Allgemeinen, machbar würde ich sagen.

  • Zu allererst muss ich MG_ insoweit recht geben, dass uns die Verantwortlichen der BBL hinsichtlich ihrer Definition der „besten Liga Europas“ ziemlich im Dunkeln haben stehen lassen. Was bedeutet das also überhaupt?



    Für mich persönlich gibt es da mehrere Möglichkeiten:


    • Europäischer Erfolg deutscher Mannschaften
    • Eine ausgeglichene und spannende Liga
    • Spektakuläre (teure) Spieler
    • Lange Einsatzzeiten einheimischer Spieler
    • Jugendprogramme, die regelmäßig NBA-Spieler herauszaubern
    • Infrastruktur (Hallen, Trainingszentren, Metropolregionen,…)
    • Eine ausgeprägte Fankultur
    • (Gute) Sendezeiten


    Vermutlich wird man eine Mischung aus allen Aspekten meinen, wenn man von der „besten Liga“ spricht…


    Ich werde im Folgenden versuchen, auf die einzelnen Unterpunkte einzugehen und abschließend ein kleines Fazit zu ziehen


    • Europäischer Erfolg deutscher Mannschaften: Mit Blick auf den höchsten europäischen Wettbewerb – die Euroleague – sieht die deutsche Bilanz nicht gut aus. Spanien, die Türkei und die VTB-League liegen alleine schon aufgrund der Teilnehmerzahl weit vor der BBL. Auch wenn Bamberg mittlerweile zumindest in den meisten Partien mithalten kann...„Darunter“ liegt die BBL aber gar nicht mal so schlecht im Rennen – immerhin stellt man in dieser Saison in den verschiedenen Wettbewerben ganze 8 Teilnehmer. München, Ulm und Berlin sind im Eurocup in der nächsten Runde und hier auch gar nicht mal die Außenseiter. Vielleicht gelingt ja einem Team in diesem Jahr sogar mal der Einzug in das Finale?
    • Eine ausgeglichene und spannende Liga: Für mich persönlich der Inbegriff einer Top-Liga. Eines muss man der BBL in diesem Jahr nämlich lassen: Mit Ulm. Bamberg und den Bayern gibt es mindestens mal 3 Teams, die um den Titel in der Liga mitspielen werden. Da hat man Italien, Israel und sogar Griechenland mittlerweile überholt. Allerdings ist v.a. Spanien (Real, Barca, Vitoria, Valencia, …), die Türkei (Fener, Gala, Efes, Darussafaka) und die VTB-Liga (CSKA, Khimiki, Krasnodar, Kaunas) noch einen Tick „breiter“ aufgestellt, was das Titelrennen angeht.
    • Spektakuläre (teure) Spieler: Auch wenn es immer mehr Hochkaräter in die BBL schaffen – die Angebote aus Russland oder der Türkei locken dann doch die ganz großen Kaliber an Deutschland vorbei. Auch in Spanien & Griechenland wird zumindest bei den beiden großen Clubs Real & Barca (bzw. Panathinaikos & Olympiacos) extrem gutes Geld gezahlt…Allerdings hat man aus deutscher Sicht die Lücke zu zu den ganz großen europäischen Vereinen zumindest ein wenig schließen können. Auch bei den kleineren deutschen Teams (z.B. Jena) fällt übrigens auf, dass die Qualität der ausländischen Spieler immer weiter zunimmt!
    • Lange Einsatzzeiten einheimischer Spieler: Das wird denke ich hinreichend schon bei der vorherigen Frage beantwortet. Generell steht die BBL mit den Spielzeiten deutscher Profis ganz weit oben im europäischen Vergleich und muss auch das Duell mit der spanischen & türkischen Liga nicht scheuen.
    • Jugendprogramme, die regelmäßig NBA-Spieler herauszaubern: Vermutlich der unwichtigste aller genannten Punkte, aber eben auch ein Qualitätsmerkmal für die Jugendarbeit in Deutschland. Generell kann man natürlich beobachten, dass es seit der Einführung der Deutschen-Quote und der NBBL/JBBL deutlich mehr Spieler schaffen, in einen BBL-Kader hinein zu kommen. Das mag zum einen mit den Regelungen der Quote zusammen hängen, hat aber zum anderen auch sicher mit dem größeren finanziellen Aufwand der Teams in diesem Bereich zu tun. Die große Frage ist: Ist das Nachwuchsprogramm in Deutschland im Vergleich zu Spanien/Serbien oder der Türkei zukünftig in der Lage, mehr NBA-Spieler (EL-Spieler) zu produzieren? Mit Schröder (Braunschweig) und Zipser (Heidelberg) hat man bereits zwei heiße Eisen im Feuer, Mushidi und Hartenstein könnten in den nächsten Jahren folgen. Allerdings haben die letztgenannten der NBBL schon vor einiger Zeit den Rücken gekehrt und stehen aktuell im Ausland auf dem Parkett…
    • Infrastruktur (Hallen, Trainingszentren, Metropolregionen,…): Über die Mercedes-Benz Arena in Berlin, die ratiopharm-Arena in Ulm bis zur EWE-Arena in Oldenburg wurden in den letzten Jahren doch einige wegweißende Projekte realisiert. Bei anderen BBL-Standorten steht man teilweise in den Startlöchern…In diesem Punkt muss man sagen, dass die Bundesliga zur absoluten Spitze in Europa gehört. Hinter den großen Teams der jeweiligen (ausländischen) Ligen kommt häufig wenig, was den Namen „Infrastruktur“ verdient hat. Gerade im osteuropäischen- und Mittelmeer-Raum sind die Besucherzahlen und der Zustand der Hallen teilweise erschreckend…
    • Eine ausgeprägte Fankultur: Der Punkt ist natürlich ein wenig unglücklich gewählt, da er sehr subjektiv zu beantworten ist. Schlussendlich sind Stimmung und Fankultur eine Geschmackssache. Um dem Thema ein wenig anders zu begegnen, könnte man vielleicht fragen: „Welche Bedeutung hat Basketball in dem jeweiligen Land?“. Und da würde man wohl die Türkei, Spanien, Griechenland, Israel und Italien schon einen Tick höher einschätzen als Deutschland - was natürlich auch ein großes Problem ist! Durch die hohe und alles dominierende Zugkraft des Fußballs wird man in Deutschland auch nach 2020 Probleme bekommen, größere Hallen (>6.000 Zuschauer) in der Breite zu füllen. Dennoch ist man im Gesamtschnitt gar nicht mal so weit weg von den anderen Ligen in Europa – das macht Mut!
    • (Gute) Sendezeiten: Sagen wir es wie es ist – die BBL ist in dieser Hinsicht den anderen europäischen Ligen meilenweit hinterher (was sicher auch mit dem Thema „Beliebtheit im jeweiligen Land“ zusammen hängt). Gut ist, dass es mittlerweile seit mehr als zwei Jahren alle Spiele live für alle Fans bei einer Streaming-Plattform gibt. Schlecht ist, dass man es nicht in die Hauptprogramme der wichtigen Sender schafft. In Spanien, der Türkei oder Griechenland laufen die Ligaspiele zur besten Sendezeit live im Free-TV, EL-Spiele ebenfalls. Allerdings ist hier auch fraglich, in wie weit das bis 2020 geändert werden kann. Denn für die schlechten Quoten können die Sender nichts…


    FAZIT:
    Die BBL ist auf einem guten Weg, ehemalige Basketball-Hochburgen wie Griechenland, Frankreich, Italien, Litauen oder Serbien dauerhaft abzuhängen und den Anschluss an die spanische, türkische und VTB-Liga zu schaffen. Allerdings spielt die deutsche Liga eben in einigen Kategorien noch weit außerhalb der drei Top-Ligen, weswegen ich nicht glaube, dass das Ziel „stärkste Liga Europas bis 2020“ erreicht werde kann. Dennoch sollte man die Entwicklung der letzten Jahr sehr positiv sehen und das Ziel einfach ein paar Jahr nach oben korrigieren.

    "I've missed over 9,000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times I've been trusted to take the game-winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed." - Michael Jordan

  • Meine beiden Kollegen haben hier ja schon sehr umfangreich geantwortet und mehr als nur ein paar Dinge angesprochen, daher kann ich mich wohl auch wirklich kurz halten.


    @'MG' hat ja bereits erwähnt das dieser mittlerweile überall zu lesende Satz von Herrn Pommer stammte, der mittlerweile nicht mehr Geschäftsführer der BBL ist. Doch auch sein Nachfolger Dr. Holz möchte an diesem Plan festhalten und hat 2020 als Ziel ausgegeben.


    Ich definiere für mich "stärkste Liga Europas" als diejenige Liga, die die größte Leistungsdichte besitzt und auch sportlich auf europäischen Niveau um Titel mitspielen kann. Beide Ziele sehe ich bis 2020 als Wunschdenken an, das nicht passieren wird. Die Gründe hierfür liegen in vielen Bereichen, die @'MG' und vor allem auch @Motuler schon angesprochen hat.


    Die leistungsstärkste Liga zu werden, dafür braucht es sehr gute Spieler, welche natürlich auch entweder durch eigene Jugendprogramme ausgebildet oder aber mit vielen Euros und Dollars bezahlt werden müssen. Bei beiden Punkten hat Deutschland und die BBL noch Nachholbedarf und wird in dieser nahen Zukunft, die Lücken zu den anderen europäischen Topnationen bzw. Vereinen auch nicht schließen können. Etats der spanischen Topvereine, wie Barcelona und Madrid, sowie bei den Türken (Efes, Darusafaka, Fenerbahce und Co.) können in drei Jahren nicht gestemmt werden (von Primus CSKA Moskau ganz zu schweigen). Die Lücken sind in den letzten Jahren kleiner geworden, jedoch nur aus Sicht zweier Vereine (München und Bamberg) und dennoch bestehen da wohl noch Etatunterschiede von z.T. zweistelliger Millionenhöhe.
    Was die Anzahl an Basketballern und damit auch Jugendspieler betrifft, muss man sich nur einmal zwei Zahlen ansehen: In Deutschland spielen gerade mal 250.000 Menschen organisiert Basketball, während es in Spanien ganze 1,5 Millionen sind. Vergleichbare Zahlen, die den Unterschied ausdrücken dürften es in Relation zur Einwohnerzahl auch in Litauen und dem Balkan geben, bei der Deutschland noch als "abgehängt" oder stark zurückliegend definiert werden dürfte.


    Eine starke Liga machen für mich leider keine zwei Vereine aus, die sowohl finanziell als auch sportlich einigermaßen gut mit der europäischen Spitze mithalten können; dazu braucht es kontinuierliches Wachstum aller Vereine. Schaut man sich zuletzt die Insolvenzen im deutschen Profibasketball an, sehe ich das momentan nicht ganz so "optimistisch" wie @Motuler. Es gibt einige Vereine, die in den letzten 10 Jahren gut zulegen konnten, wie Oldenburg, Ulm, Ludwigsburg, Berlin oder Würzburg, aber es gibt immer noch auch die Vechtas, Göttingens usw. Nichts gegen diese Vereine, die hart dafür arbeiten in der BBL wettbewerbsfähig zu sein. Aber man nehme nur mal als Beispiel Göttingen, wo der Headcoach zugleich Co-Trainer und was weiß ich alles noch ist, einfach weil für mehr Angestellte das Geld fehlt.


    Nicht zuletzt findet der deutsche Basketball auch immer noch am Rande der Gesellschaft statt. Mit der Telekom konnte man hier zwar einen starken Partner finden, doch bislang interessieren sich die Menschen noch nicht für den von uns so geliebten Sport.



    Meine drei Eckpunkte: Finanzen, Wettkampffähigkeit (der Spieler, ob einheimische oder ausländische) und mediale Präsenz definieren für mich die Stärke einer Liga. Und hier hat Deutschland noch so einige Hausaufgaben zu erledigen bis man sich vielleicht irgendwann mal "stärkste Liga Europas" nennen darf. Dies in den nächsten 3 Jahren zu erreichen, halte ich für ausgeschlossen. Schafft man es, die von @'MG' und @Motuler ausführlich beschrieben Aspekte positiv umzusetzen bzw. anzupacken, dann kann man vielleicht 2025 sich nochmal überlegen, an welcher Stelle man steht. Jedes Jahr vorher, wäre für mich eine Überraschung.