„Wir genießen einen guten Ruf“

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    Headcoach Eric Detlev im Interview

    In den USA nennt man die basketballlose Zeit „Off-Season“. Was nicht heißt, dass es dort nicht genug zu tun gibt. Cheftrainer Eric Detlev gewährt im Interview Einblicke in den Prozess der Kaderplanung, spricht dabei über Scouting, Spielerberater und Sprungbretter.

    Philipp Döring: Eric, als Cheftrainer der 1. Mannschaft sowie als sportlicher Leiter bist du auch zwischen den Spielzeiten voll ausgelastet. Welche Hauptaufgaben sind in der „Off-Season“ zu bewältigen?

    Eric Detlev: Die Hauptaufgabe liegt sicher in der Zusammenstellung einer neuen Mannschaft. Aber als sportlicher Leiter gibt es noch ganz andere Dinge zu erledigen, die eher im konzeptionellen und strukturellen Bereich liegen. Wir suchen ja derzeit nach einem hauptamtlichen Jugendtrainer, das fällt natürlich auch in meinen Zuständigkeitsbereich.

    Stichwort Kaderplanung: Wie muss man sich den Prozess einer Spielerverpflichtung vorstellen?

    Im Prinzip gibt es zwei unterschiedliche Verfahren. Zum einen verfüge ich über eine Datenbank von vielen Spielern, die ich persönlich kenne bzw. von denen ich schon einmal gehört habe. Das sind vorwiegend Nachwuchsspieler, aber auch alte Bekannte. Die ruf ich dann mal ganz unverbindlich an und frage nach ihren Plänen für die kommende Saison. So sind zum Beispiel Tim Kasper und Tim Eisenberger zu uns gekommen.

    Und das zweite Verfahren?

    Da kommen die Spieleragenten ins Spiel, vor allem auf dem amerikanischen Markt. Man gibt eine Positionsbeschreibung an und erhält dann von den Agenten Angebote. Deutsche Spieler sind natürlich meistens bekannt, zudem kann ich mir bei Trainerkollegen verlässliche Meinungen über sie einholen. Innerhalb von Deutschland sind wir gut miteinander vernetzt.

    Bei unbekannten US-Amerikanern dürfte dies schon schwerer werden?

    Allerdings. Jedes Jahr erhalten wir bis zu 100 Spielerangebote. Den Richtigen zu finden, bedeutet hier sehr viel Fleißarbeit. Zunächst muss man die Statistiken analysieren und erste Tendenzen erkennen. Wenn wir einen Dreierschützen suchen und jemand nur 20 Prozent von Außen trifft, brauchen wir uns sein Video gar nicht erst angucken. Danach geht es darum, sich ein genaueres Bild von dem Spieler zu machen. Schlussendlich bleiben bei dieser Auslese 2-3 Top-Kandidaten übrig. Mit diesen führe ich dann per Telefon erste Gespräche, in denen es auch um persönliche Dinge geht.

    Lassen diese Telefonate denn wirklich Rückschlüsse auf den Spieler zu?

    Das ist schon schwierig. Die meisten Spieler wissen natürlich, welche Antworten sie auf bestimmte Fragen geben müssen. Auch wenn man bei einigen schnell ein gutes Gefühl hat, bleibt immer ein gewisser Unsicherheitsfaktor zurück. Zumal es ja auch Komponenten gibt, die man vorher schwer voraussagen kann. Die Spieler werden zum ersten Mal von zu Hause weg sein. Ein fremdes Land mit einer unbekannten Sprache, oft die erste eigene Wohnung. Bei Kyle Moore hatte ich bei unserem Telefonat gleich ein gutes Gefühl, leider hat er sich hier letztendlich nicht so gut einleben können. Sportlich weiß man dagegen meistens, was auf einen zu kommt. Wir haben da klare Richtlinien.

    Welche sind das konkret?

    Mir ist wichtig, dass der Spieler die Rolle, die er bei uns ausfüllen soll, auch schon einmal gespielt hat. Am besten natürlich in einem ähnlich angelegten System. Es nützt mir nichts, wenn jemand an einem renommierten Division I-College ein Rollenspieler war und nun plötzlich der „Go-to-guy“ sein soll. Da nehme ich lieber einen aus der Division II, der diese Rolle schon immer ausgefüllt hat. Ich will in einem Scouting-Video Dinge sehen, die er auch bei uns so machen soll.

    Finanziell sind die Dragons nicht auf Rosen gebettet. Welche Anreize oder Perspektiven könnt ihr den Spielern abgesehen vom Geld bieten?

    Wir sind ein verlässlicher Partner und genießen einen guten Ruf, auch bei den Agenten. Zusagen werden eingehalten, das ist woanders nicht immer der Fall. Zwar zahlen wir keine Unsummen, dafür bekommen die Spieler ihr Gehalt aber auch pünktlich. Sportlich trainieren wir immer noch unter absolut professionellen Bedingungen, man kann sich bei uns auch spielerisch weiterentwickeln. Und jeder, der es bei uns geschafft hat, wird mit Kusshand von anderen Vereinen genommen. Wir können ein Sprungbrett für talentierte Spieler sein. Auch wenn das bedeutet, dass wir diese nicht lange halten können.

    Ist es denn nicht frustrierend, nur als Sprungbrett für höhere Aufgaben zu dienen?

    Ich sehe das überhaupt nicht negativ. Die Spieler entscheiden sich ja wegen ihrer sportlichen Perspektive für uns. Sie kommen nicht wegen dem Geld, sondern sind mit dem Herzen bei den Dragons dabei. Das ist mir lieber als irgendwelche Abzocker-Profis, die nur Dienst nach Vorschrift machen. Außerdem brauchen wir auch eine gewisse Fluktuation im Team, um Platz für unseren Nachwuchs zu schaffen.

    Der Nachwuchs wird also auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen?

    Ich kann jedem NBBL-Spieler versprechen, dass ich immer 2-3 Kaderplätze für die Besten unter ihnen reserviere. Bevor ich irgendjemand von außerhalb hole, frage ich doch zuerst unsere eigenen Jungs. Das ist schließlich unser Konzept, daran wird sich auch so schnell nichts ändern.

    Presseinfo: Dragons Rhöndorf